José Manuel Caballero Bonald: Der Krieg

Krieg ist eine Absurdität, eine Art von allgemeiner Unordnung. Nach so vielen Jahrhunderten voller Kämpfe, die größten Werke der Weltliteratur sind Bücher die dem Krieg gewidmet sind, von den heiligen Büchern der Hindus bis zur Bibel, vor allem das Alte Testament, und ebenso die Ilias und die Odyssee. All dies sind Kriege, Beschreibungen des Krieges, und von Menschen die Menschen morden. Und all dies ist wirklich Unsinn. Wenn du wirklich genau darüber nachdenkst, sieht es so aus als gäbe es wirklich keine Erklärung dafür, warum Kriege noch immer existieren, und wieso es die rechtskräftige Möglichkeit gibt, dass Menschen Menschen töten. Und ich glaube, die Tatsache dass es weiterhin stattfindet ist eine Katastrophe für die menschliche Entwicklung. Wir haben uns nicht genügen entwickelt, um die Fortsetzung endloser Kriege zu vermeiden. Ich war ein kleines Kind als der Krieg anfing. Ich war acht oder neun, und ich war zwölf als er zu Ende ging, darum sind meine Erinnerungen eher verschwommen. Aber dennoch, ich habe eine Reihe von konkreten Fakten die sich in meine Erinnerung eingebrannt haben, zum Beispiel als ich von meinem Balkon runter schaute und einen toten Mann blutend auf der Straße liegen sah. Dies ist ein unauslöschliches Bild von jemandem der erschossen wurde. Mehr noch als der Krieg, weil ich ein Kind des Krieges war, fast möchte ich sagen, ein Kind der Republik das auch den Bürgerkrieg erlebt hat. Aber umso mehr noch, möchte ich mich als heranwachsenden der Nachkriegszeit bezeichnen. Die ersten Jugendlichen des Krieges waren die Leute in meinem Alter. Es gab die Gruppe der Dichter, oder die Gruppe der Literaten der 50er. Und am schlimmsten war die Nachkriegszeit, die Rache, die Kämpfe, die Verletzung der Rechte, die Verfolgung derjenigen bis zum Tode. Das waren die Grausamkeiten der Nachkriegszeit die bleiben, immer noch, eine Angelegenheit die in der Luft hängt ohne Rechtfertigung. Es gab kein Gericht das diese Grausamkeiten verurteilte, nicht im Krieg, sonder es ist die Nachkriegszeit die ich meine, und vor allem die Verfolgung jener die besiegt wurden, derjenigen die nicht auf die gleiche Weise dachten wie die Sieger, diese Verfolgung bis in den Tod. Der Krieg bildet einen Hintergrund der ständig in meinen literarischen Werken auftaucht. Es gibt kein bestimmtes Thema das mit dem Krieg verbunden ist mit der Ausnahme von ein paar Gedichten, aber was ich normallerweise immer gemacht habe ist meine Erinnerungen zu benützen. Meine Erinnerungen sind für mich Ausschlaggebend und Inspiration für mein literarisches Handeln. Würde ich keine Erinnerungen haben, könnte ich nicht schreiben. Ich schreibe von dieser Erinnerung, ich passe die Erinnerung den Bedürfnissen des Erzählflusses oder des Gedichtes entsprechend an. Aber in jedem Fall, es ist immer meine Erinnerung die handelt. Und in diesem Fall ist meine gesamte Erinnerung von den Erinnerungen an den Krieg bestimmt. Die Romane, viele Romane, und in all diesen Romanen gibt es immer jemanden der den Krieg erlebt hat, jemand der im Krieg gelitten hat. Jemand der im Krieg gekämpft hat und die Konsequenzen dieser Kämpfe erfährt. Schlussendlich gab es immer Probleme die auf erbarmungslose Weise mit dem Bürgerkrieg in Verbindung gebracht wurden.

 

José Manuel Caballero Bonald

José Manuel Caballero Bonald,  geboren am 11. November 1926 in Jerez, ist ein spanischer Romanautor, Dozent und Dichter. Er studierte Astronomie in Cádiz und später Philosophie und Literatur in Sevilla und Madrid. Seit seiner Jugend, seit seiner Freiheit, engagiert er sich gegen Francos Diktatur. Er gehört der Dichtergemeinschaft der 50er an, unter anderem zusammen mit Angel Valente, Claudio Rodríguez, José Agustín Goytisolo und Jaime Gil de Biedma.
Er lebte außerhalb Spaniens für mehrere Jahre und seit seiner Rückkehr arbeitet er für das Lexikographie Seminar der Königlich Spanischen Akademie. Er erhielt den Boscán und Kritiker Preis in 1959, den Biblioteca Breve Award in 1961, den National Album Award 1969, Barral Award (den Preis den José Manuel Caballero Bonald ablehnte), den Kritiker Preis  und  ‘Pablo Iglesias’ Literatura Award in 1977, Ateneo de Sevilla Preis in 1981, Plaza y Janés Award in 1988, Andalucía Literature Award in 1993, Círculo de Bellas Artes de Madrid in 2000, XIII Award of Reina Sofia in Ibero-American Poetry in 2004, den Nationalen Preis für Briefe in 2005 sowie den Nationalen Dichter Preis 2008, und den Internationalen Preis für die Gedichte von Federico García Lorca in 2009.
Er lebt zwischen Madrid und Sanlúcar de Barrameda.

Submit your comment

Please enter your name

Your name is required

Please enter a valid email address

An email address is required

Please enter your message

Report from the Besieged City/Informe sobre la ciudad sitiada/گزارش شهر محصور/ Správa z obliehaného mesta © 2017 All Rights Reserved